Ihre Fragen - unsere Antworten

Der Unfallmeldedienst ist ein automatisches Notrufsystem, das von der deutschen Versicherungswirtschaft entwickelt wurde. Der Unfallmeldedienst trägt dazu bei, dass bei einem schweren Unfall Rettungskräfte schneller Hilfe leisten können.

Kernstück des Notruf-Systems ist ein Stecker für die 12-V-Steckdose, der sogenannte Unfallmeldestecker. Sensoren im Stecker erkennen eine Kollision und die Stärke des Aufpralls. Bemerkt der Stecker einen Unfall, sendet er diese Information an Ihr Smartphone (Autofahrer). Das Smartphone meldet den Unfall, die aktuelle Position des Fahrzeugs und die letzte Fahrtrichtung mithilfe einer Unfallmelde-App an die Notrufzentrale der Autoversicherer. Die speziell auf Notfälle geschulten Agenten leiten im Fall eines schweren Unfalls sofort die nötigen Rettungsmaßnahmen ein.

Sofern es sich um einen leichten Unfall oder eine manuelle Pannenmeldung handelt, wird der Anruf direkt an das Service Center des Versicherers weitergeleitet, welches Sie in der jeweiligen Situation unterstützt.

Der Unfallmeldestecker besitzt eine Sensortechnik mit entsprechenden Crash-Algorithmen für die Erkennung der Schwere eines Aufpralls. Detektiert der Stecker einen schweren Unfall, sendet er diese Information an Ihr Smartphone, das über die Unfallmelde-App einen Notruf absetzt.

Bei einem schweren Aufprall meldet das Smartphone den Unfall, die aktuelle Position Ihres Fahrzeugs, die letzte Fahrtrichtung und Ihre Rufnummer mithilfe der Unfallmelde-App an die Notrufzentrale der Autoversicherer. Gleichzeitig wird automatisch eine Sprachverbindung zwischen Ihnen und der Notrufzentrale der Autoversicherer hergestellt. Nach Klärung der Sachlage gibt die Notrufzentrale alle für eine schnelle Hilfe notwendigen Informationen umgehend an die zuständigen Rettungsleitstellen weiter.

Ja, Sie können einen Notruf auch direkt von der Startseite der Unfallmelde-App manuell über den Button „Rettung anfordern“ auslösen.

Bei der Betätigung des Buttons "Rettung anfordern" wird der ausgelöste Notruf von der Notrufzentrale der Autoversicherer entgegengenommen, deren Mitarbeiter speziell geschult und in der Notruftelefonie erfahren sind. Die Agenten bekommen automatisch Ihre Rufnummer, den aktuellen Standort Ihres Fahrzeugs, Ihre Fahrtrichtung und Ihr Autokennzeichen auf den Bildschirmen angezeigt und können diese Informationen zum Unfallfahrzeug an die Rettungsleitstellen übermitteln. 

Bei der Betätigung des Buttons „Hilfe bei Unfall / Panne“ werden der Datensatz und der Anruf vom Service Center Ihrer jeweiligen Kfz-Versicherung entgegengenommen. Anschließend kann Ihr Versicherer Ihnen direkt mit seinem Schadenservice helfen.

Sofern nach einem Unfall keine automatische Sprachverbindung zustande kommt, z. B. weil Sie nur schwachen Netzempfang haben, leiten die Agenten der Notrufzentrale der Autoversicherer einen Rückruf ein. Sofern Sie auf diesen nicht antworten, leitet die Notrufzentrale der Autoversicherer alle für eine schnelle Hilfe notwendigen Informationen umgehend an die zuständige Rettungsleitstelle weiter, damit die Rettungskräfte schnell vor Ort sind. Das gleiche Vorgehen gilt, wenn Sie bei einem ausgelösten Notfall nicht antworten.

Anhand der von der Unfallmelde-App übermittelten Positionsdaten kann der Agent der Notrufzentrale der Autoversicherer erkennen, ob Sie nach einer Auslösung weiterfahren oder nicht. Bewegen Sie sich mit Ihrem Fahrzeug fort, geht der Agent von einem Fehlalarm aus. In diesem Fall wird keine Rettungsleitstelle informiert.

Nicht anders als bei einem Anruf beim Notruf 112 dient das Telefongespräch mit Ihnen der Vorklärung, bei der etwa die Zahl und die aktuelle Situation der Verletzten in Erfahrung gebracht werden kann. Dank dieser Vorklärung können umgehend die richtigen Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Nein.

Sofern Sie alle gemeinsam dasselbe Auto fahren, können Sie den Unfallmeldedienst auch Ihren Familienmitgliedern bereitstellen. Dafür müssen sich Ihre Familienmitglieder die Unfallmelde-App Ihres Versicherungsunternehmens herunterladen. Drücken Sie bei sich als Hauptnutzer in den Einstellungen auf „Gastnutzer verwalten“. Drücken Sie auf das Plus in der rechten oberen Ecke. Geben Sie einen beliebigen Namen für den Gastnutzer ein. Bestätigen Sie Ihre Eingabe mit „Registrieren“. Notieren Sie sich die Kontokennung und den Aktivierungscode und schließen Sie das Fenster mit „Abschließen“.

Ihr Familienmitglied muss sich dann mit der von Ihnen erstellten Kontokennung und dem Aktivierungscode auf dessen Smartphone registrieren und mit dem Unfallmeldestecker verbinden.

Ja, mit einer App können Sie als Hauptnutzer unbegrenzt viele Stecker nutzen. Pro Stecker kann allerdings nur ein Hauptnutzer registriert sein, gemeinsam mit maximal vier Gastnutzern. Sie können zusätzlich als Gastnutzer andere Stecker (in anderen Pkw) nutzen. 

Der Unfallmeldestecker ist an das von Ihnen versicherte Fahrzeug gebunden. Im Falle eines Unfalls kann die Notrufzentrale den Rettungskräften dadurch gesicherte Informationen über das verunfallte Fahrzeug zukommen lassen.

Sie haben aber die Möglichkeit, für ein Zweitfahrzeug einen weiteren Stecker zu erhalten und diesen mit dem gleichen Smartphone bzw. der gleichen App wie für das Erstfahrzeug zu nutzen.

Bei der manuellen Auslösung des Unfallmeldedienstes setzt ein Countdown ein, der die Zeit bis zum Aufbau der Sprachverbindung an eine Notrufzentrale anzeigt. Während der ersten 10 Sekunden haben Sie die Möglichkeit, die Unfallmeldung über die App abzubrechen. Somit wird keine Sprachverbindung zur Notrufzentrale hergestellt. Eine Meldung wurde dann zwar bereits übermittelt, die Notrufzentrale der Autoversicherer oder das Service Center Ihres Kfz-Versicherers wird jedoch über den Abbruch Ihrer Meldung informiert.

Wird der Vorgang von Ihnen nicht abgebrochen, wird der Anruf, je nach betätigtem Button, entweder von der Notrufzentrale der Autoversicherer oder von dem Service Center Ihres Kfz-Versicherers entgegengenommen. Stellt der jeweilige Mitarbeiter fest, dass es sich um einen unbeabsichtigten Anruf handelt, beendet er das Gespräch. Es entstehen keine Kosten für Sie.

Ja, der Unfallmeldestecker kann bei Temperaturen zwischen -30°C und +75°C genutzt werden. Bei einigen Kfz-Modellen wird die 12-V-Steckdose auch bei ausgeschalteter Zündung weiter gespeist. Damit die Fahrzeugbatterie nicht entladen werden kann, wird der Unfallmeldestecker in einen Schlafmodus versetzt.

Wenn Ihr Kfz-Versicherer am Unfallmeldedienst teilnimmt, kann der Unfallmeldestecker ohne großen Aufwand in jedem als Pkw zugelassenen Fahrzeug betrieben werden. Es gibt nur wenige technische Voraussetzungen:

  • Fahrzeug besitzt eine 12-V-Steckdose bzw. einen Zigarettenanzünder (im Fahrgastinnenraum; mit der Norm SAE J563).
  • Smartphone mit aktuellem Android- oder iOS-Betriebssystem
  • Smartphone mit Bluetooth Classic  (Android) / Bluetooth LE (iOS)

Nein, der Unfallmeldedienst ist momentan nur auf Personenkraftfahrzeuge (Pkw) ausgelegt. Aufgrund der anderen Maße und Größe des Fahrzeugs kann der Unfallmeldestecker keine zuverlässigen Daten für größere Fahrzeuge ermitteln. 

Der Unfallmeldestecker ist so konstruiert, dass er nicht zwingend im Frontbereich des Kfz angebracht werden muss. Dennoch sollte sich die verwendete Steckdose möglichst in Ihrer Nähe befinden, da die Sensoren messen sollen, welche Kräfte im Falle eines Aufpralls auf das Fahrzeug und deren Insassen einwirken. Ein im hinteren Fahrzeugteil angebrachter Stecker könnte dazu führen, dass die Unfallschwere vom System geringer eingeschätzt wird als sie es tatsächlich ist. Zusätzlich nimmt Ihnen eine Installation im Heck die Möglichkeit etwaige Störungszustände des Unfallmeldesteckers mit einem Blick zu erfassen, da Sie die LED-Leuchte des Steckers nicht sehen können.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass die Bluetooth-Verbindung nicht aufgebaut werden kann, sofern der Kofferraum entsprechend abgeschirmt ist. Auch kann verrutschende Ladung während der Fahrt den Unfallmeldestecker beschädigen.

Dies ist leider nicht möglich.

Es gibt eine mobile Internetseite, welche mit dem Smartphone aufzurufen ist. Diese liest das Smartphone-Modell, die aktuelle Version des Betriebssystems und alle notwendigen Systemvoraussetzungen aus und zeigt Ihnen an, ob das Smartphone mit dem Unfallmeldedienst kompatibel ist oder nicht. Die Internetseite erreichen Sie unter: http://umd.mobi/.

Sie können sich direkt über Ihr Versicherungsunternehmen anmelden, wenn es den Unfallmeldedienst anbietet. Die Unfallmelde-App kann von Ihnen im jeweiligen App-Store heruntergeladen werden. Für die Registrierung benötigen Sie eine Kontokennung und den Aktivierungscode. Die Daten erhalten Sie nach Vertragsabschluss von Ihrem Versicherungsunternehmen. Anschließend müssen Sie gegebenenfalls noch fehlende Daten (z. B. Telefonnummer des Smartphones und das Kennzeichen Ihres versicherten Fahrzeugs) eintragen und die App per Bluetooth mit dem Unfallmeldestecker verbinden. Im Zuge der Registrierung erfolgt ein Funktionstest, in dem geprüft wird, ob die Daten übertragen werden können und eine Rufverbindung aufgebaut werden kann. Nach erfolgreichem Abschluss ist der Unfallmeldedienst voll funktionsfähig.

Der Unfallmeldestecker besitzt keine Batterien oder sonstiges Verbrauchsmaterial, das während der Nutzungsdauer zu wechseln ist.

Der Unfallmeldedienst ist aktuell ausschließlich für die Nutzung in Deutschland konzipiert. Im Ausland ist der Unfallmeldedienst nur eingeschränkt nutzbar, eine automatische Auslösung des Unfallmeldedienstes ist dann nicht möglich. Die manuelle Auslösung einer Notfallmeldung ("Rettung anfordern") ist im europäischen Ausland weiterhin möglich, der Benutzer wird nach Betätigen des Buttons über den Wahldialog gefragt, ob er die europaweite Notrufnummer 112 wählen möchte. Wenn der Nutzer dies bestätigt, wird er an die zuständige nationale Rettungsleitstelle weitergeleitet.

Alle wesentlichen Komponenten des Unfallmeldedienstes – Unfallmeldestecker, Unfallmelde-App und die Infrastruktur – wurden von Beginn der Entwicklungsphase an Tests unterzogen, um Produkt und Dienstleistung technisch und fachlich zu optimieren. So wurde beispielsweise im Zuge von Crashtests die Zuverlässigkeit des Unfallmeldesteckers nachgewiesen. In Belastungstests wurde die Zuverlässigkeit der Unfallmelde-App und der Infrastruktur getestet und in Feldtests die Benutzerfreundlichkeit der Komponenten.

Viele Autofahrer wünschen sich einen automatischen Hilferuf, um in Notfällen Hilfe zu erhalten. Diesen Wunsch möchte die Versicherungswirtschaft auch Fahrern von Fahrzeugmodellen ermöglichen, die noch nicht mit einem ab Werk integrierten eCall-System oder einem vergleichbaren Herstellersystem ausgestattet sind.

Wenn der europäische eCall ab April 2018 für neue Fahrzeugmodelle verpflichtend wird, werden noch über einen längeren Zeitraum sehr viele Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein, die nicht mit einem solchen System ausgestattet sind. Der Unfallmeldestecker kann für alle Pkw genutzt werden, vorausgesetzt diese verfügen über eine 12-V-Steckdose (Zigarettenanzünder, gemäß Norm SAE J563, genauere Informationen finden Sie in der ausführlichen Bedienungsanleitung) und der Kfz-Versicherer nimmt am Unfallmeldedienst teil.

Im Vordergrund steht schnelle Hilfe nach einem Unfall. Wurden durch den Unfall Personen verletzt, sorgt der Unfallmeldedienst dafür, dass unverzüglich Rettungskräfte alarmiert werden. Die Polizei wird gerufen, wenn diese die Unfallstelle räumen muss.

Wenn keine Rettungskräfte erforderlich sind, unterstützt der Unfallmeldedienst bei der Organisation der Hilfeleistung. Sollten Sie die Zeit für eine Schadenerstaufnahme haben, können Sie den Schaden natürlich sofort an Ihre Versicherung melden.

Die deutsche Versicherungswirtschaft hat den Unfallmeldedienst von der GDV Dienstleistungs-GmbH in Zusammenarbeit mit namhaften Industriepartnern (Bosch und IBM) entwickeln lassen. Zahlreiche Kraftfahrtversicherer waren dabei in die Entwicklung eingebunden.

Um die Leistungen des Unfallmeldedienstes erbringen zu können, werden folgende personenbezogene Daten erhoben und gespeichert:

  • Ihre Kundennummer, 
  • Ihre Mobilfunknummer, 
  • das Kennzeichen Ihres versicherten Fahrzeugs, 
  • Modell, Hersteller, ID und Betriebssystem Ihres verwendeten Smartphones.

Darüber hinaus werden lediglich Daten zu den ausgelösten Fällen verzeichnet. Erkennt der Unfallmeldestecker einen Aufprall, versendet die Unfallmelde-App die für die Hilfeleistung notwendigen Daten, die in einer gesicherten Datenbank gespeichert werden. Der Datensatz enthält:

 

  • Ihren aktuellen Standort,
  • Ihre letzte Fahrtrichtung und
  • Informationen über die Klassifizierung der Unfallschwere. 

Bei einem Blechschaden oder einer Panne nimmt das zuständige Service Center Ihres Versicherers weitere wichtige Informationen (z. B. ob Ihr Fahrzeug abgeschleppt werden muss) auf. Bei einem Notfall nimmt die Notrufzentrale der Autoversicherer ggf. weitere für die Rettung notwendige Informationen auf (z. B. Anzahl der verletzten Personen). Diese werden nur an die Rettungsleitstellen weitergegeben und nicht gespeichert.

Sofern es sich bei der Auslösung um eine Fehlauslösung handelt, wird der Vorgang geschlossen und die Daten gespeichert.

Solange kein Hilferuf ausgelöst wird, zeichnet die App lediglich die letzten beiden vom Smartphone ermittelten Positionsdaten sowie die aktuelle Fahrzeugposition auf, ohne sie zu senden. Ältere Daten werden kontinuierlich überschrieben.

Die Übertragung der Daten findet verschlüsselt über ein vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziertes Branchennetz, statt. Dritte erhalten keinen Zugang zu den Daten der Versicherten. Einzig autorisierte Dienstleister, die beispielsweise einen Abschleppwagen für Sie organisieren sollen, erhalten die zu diesem Zweck notwendigen Informationen (z. B. den Standort). Die ermittelten Daten werden allein zu dem Zweck der Erbringung von Rettungs- und Hilfemaßnahmen verwendet. 

Daten werden ausschließlich beim Auslösen übermittelt oder wenn Sie sich erstmalig in der Unfallmelde-App registrieren. Bei der Auslösung übermittelt die App sofort Ihre aktuelle Position sowie zwei Vorpositionen. Diese Daten werden dem Mitarbeiter der Notrufzentrale der Autoversicherer angezeigt. Nach einer Auslösung werden bis zu sechs weitere Positionen an den Mitarbeiter übermittelt, damit dieser Fehlauslösungen – insbesondere bei Fällen ohne Sprachverbindung – besser beurteilen kann.

Eine umfassende Information über die im Rahmen des Unfallmeldedienstes erhobenen, verarbeiteten und genutzten Daten befindet sich in der Datenschutzerklärung. Diese müssen Sie in der Unfallmelde-App zwecks der Nutzung des Unfallmeldedienstes akzeptieren und sie sind anschließend im Menü weiter einsehbar.

Darüber hinaus können Sie gemäß § 34 (Bundesdatenschutzgesetz) BDSG und Art. 23 Code of Conduct Auskunft bei Ihrem Versicherer oder dessen Servicegesellschaft als Anbieter des Unfallmeldedienstes verlangen. Sie erhalten auf diese Weise eine Auflistung der über Sie gespeicherten Daten. Auskunftsersuche können Sie an die in der Datenschutzerklärung für den Unfallmeldedienst im Menüpunkt „Informationen“ der Unfallmelde-App unter Ziffer VII.1. genannte Stellen richten.

Nein, dies ist nicht möglich. Die GPS-Daten in der App werden kontinuierlich überschrieben.

Für den automatischen Rufaufbau zur Notrufzentrale der Autoversicherer fallen keine Kosten an. Falls die Übertragung der Informationen nicht über eine mobile Internetverbindung möglich ist (bis zu einem Netz von 2G) und diese daher per SMS verschickt werden, können Kosten anfallen. Für genaue Informationen wenden Sie sich an Ihren Mobilfunkprovider.

Das kommt auf die individuelle Preisgestaltung Ihres Versicherungsunternehmens an.